Fotos: Lars Frohmüller/Karina Kunze

18.01.10: 2. Meile der Demokratie

[Video] 5.000 Magdeburger setzten Zeichen gegen Rechtsextremismus

Am 16. Januar gedenken die Magdeburger der Bombardierung ihrer Stadt während des Zweiten Weltkrieges. Seit mehreren Jahren versuchen rechtsextreme Gruppen, das Gedenken der Magdeburgerinnen und Magdeburger für sich zu vereinnahmen. Auch in diesem Jahr war Magdeburg das Ziel von ca. 1.000 Rechtsextremen aus ganz Deutschland. Als "bunte" Gegenveranstaltung aller demokratischen Kräfte gegen den "braunen" Aufmarsch hatten die Stadt Magdeburg und das Bündnis gegen Rechts zum zweiten Mal zur Meile der Demokratie aufgerufen.

Mehr bewegte Bilder gibt es auf www.MDF1.de

Die Veranstalter zeigten sich am Ende des Tages mit der Resonanz auf die 2. „Meile der Demokratie“ in Magdeburg sehr zufrieden. „Trotz der winterlichen Temperaturen waren rund 5.000 Magdeburgerinnen und Magdeburger auf der Meile. Sie zeigten zusammen Gesicht für ein demokratisches und tolerantes Magdeburg“, so Thomas Weber vom Bündnis gegen Rechts. „Besonderer Dank gilt allen Beteiligten. Über 100 Informationsstände und fünf Bühnen boten den Besuchern ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm.“ Mit dabei waren verschiedene Verein und Verbände, Sekundarschulen und Gymnasien, demokratische Parteien und viele mehr. Künstler verschiedener Genres, vom Kabarett "Die Kugelblitze" bis hin zu diversen Bands wie der Schauspielband "Mixtape", waren auf den fünf Bühnen der "Meile" zu erleben.

Beeindruckt zeigte sich Weber über die Menschenkette: „Am Nachmittag knüpften hunderte Menschen mit bunten Bändern zwischen Hasselbachplatz und Julius-Bremer-Straße ein Band der Demokratie und demonstrierten so ihre Verbundenheit für ein friedvolles Zusammenleben.“

Im weiteren Verlauf des Nachmittags lagen sich auf dem Breiten Weg rund 50 Menschen in den Armen. Spontan schlossen sich Passanten der beeindruckenden Aktion an. Zu dem „Umarmungs-Flashmob“ hatten Jugendliche aus Magdeburg aufgerufen, die bei verschiedenen Trägern derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten.

Holger Platz, der Ordnungsbeigeordnete der Stadt Magdeburg war erfreut über die gute Stimmung auf der Meile. „Alle Akteure vermittelten einen heiteren und gelösten Eindruck. Der Breite Weg verwandelte sich in einen Ort lebendiger Demokratie.“

"Die Menschen, die heute die Meile der Demokratie gestaltet, wollen Frieden und Demokratie bewahren. Wir setzen erneut von der Landeshauptstadt Magdeburg aus ein Zeichen, dass wir Neonazis entschieden entgegen treten. Das Ziel ist klar: Nie wieder Faschismus. Nie wieder Fremdenhass. Nie wieder Krieg", sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann.

Der Polizei gelang es, mit einem Großaufgebot von über 1.200 Einsatzkräften der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord, der Landesbereitschaftspolizei und Einsatzkräften aus fünf weiteren Bundesländern (Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Niedersachsen, Berlin) ein Aufeinandertreffen der rechten Demonstrationsteilnehmer mit gewaltbereiten Angehörigen der linken Szene zu verhindern, so dass es zu keinen Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern kam. Aufgrund des Demonstrationsgeschehens kam es insbesondere im Innenstadtbereich zu Verkehrsbeeinträchtigungen, da zeitweilig Straßenzüge gesperrt werden mussten.

Im Bereich des Hasselbachplatzes wurden Einsatzkräfte von einer Gruppe linker Demonstrationsteilnehmer angegriffen, die an die Aufzugsroute der Rechten gelangen wollten, was zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Demo-Teilnehmern geführt hätte. Die Angreifer konnten abgedrängt werden. Dabei musste kurzzeitig der Schlagstock eingesetzt werden. Insgesamt musste die Polizei 11 Personen der linken Szene kurzfristig in Gewahrsam nehmen. Es wurden sieben Strafanzeigen (u.a. wegen Landfriedensbruch, Widerstand gg. Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung) aufgenommen. Die Einleitung weiterer Strafverfahren wird geprüft. Vier Polizeibeamte wurden u.a. durch das Werfen von Feuerwerkskörpern leicht verletzt.

Polizeipräsident Mönckmeyer, der sich auch an der auf der „Meile der Demokratie“ gebildeten Menschenkette beteiligte, zog ein positives Resümee zum polizeilichen Einsatz anlässlich des Demonstrationsgeschehens. Die flexible Einsatztaktik habe entscheidend dazu beigetragen, dass alle Veranstaltungen weitestgehend störungsfrei verlaufen sind und gewalttätige Ausschreitungen verhindert werden konnten.

KK

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